Unerwünschte Gäste des Online Datings: Scammer, Spammer, Fraud – Teil 1

So erkennen Sie Betrüger oft schon ganz schnell.

So spannend und schön Online-Dating ist, es lockt auch ungebetene Gäste auf die Plattformen. Jeder noch so gute und strenge Filter, wie er Singles im Dating Cafe garantiert ist, kann nie ganz verhindern, dass sich Betrüger unter die vielen ehrlichen Mitglieder schleichen.
Woran Sie Spammer, Scammer und Frauds sofort erkennen. Und wie Sie es vor allem ganz bequem den Betrügern unbequem machen.

Was unterscheidet Spammer und Scammer?

Spammer senden Nachrichten mit immer dem selben Inhalt an verschiedene, nur grob definierte Empfänger. Die dazu nötige Mitgliedschaft wurde mit entwendeten Bankdaten bezahlt. Oft ist nicht einmal mehr ein Mensch zuständig, sondern ein Bot. Entsprechend finden Sie in den zugehörigen Profilen unter Umständen weder Fotos noch Profiltext.
Nach dem „Aussähen“, wartet der Spammer einfach auf die „Ernte“ – die Reaktion der Angeschriebenen. Erhält er Antwort, widmet er sich dem/der Antwortenden individuell.

„Gibt´s doch gar nicht!“ Zu peinlich darf einem Scammer nichts sein. Da wird auch schon einmal Käpt´n Iglo auf Partnersuche geschickt. Fotos wie diese bekamen wir im Dating Cafe bereits zur Prüfung. (So wie übrigens alle Fotos der Collagen, die Sie in Teil 1 + 2 sehen werden.)

Listig, aber nicht immer einfallsreich: Scammer

Scammer gehen systematischer vor. Sie haben sich eine Identität angeeignet und dazu Fotos aus dem Internet gestohlen. Entweder

  • schreiben sie dem ausgewählten Empfänger selbst und direkt
  • knüpfen an, sobald ein Empfänger auf ihre Spamnachricht antwortet

Pro Fakeprofil haben Sie es unter Umständen gleich mit mehreren Scammern zu tun. Sie arbeiten regelrecht in Schichten, um die Verbindung zu Ihnen nicht zu verlieren.
Der Scammer geht immer gezielt auf Sie ein, will so viel über Sie wissen, wie nur möglich –  und Sie vor allem schnell von der Singlebörse weg locken. (Schließlich kann sein Profil dort jederzeit entdeckt und entfernt werden.)
Ist das gelungen, hat der Scammer Zeit gewonnen, ganz auf Sie einzuwirken. Haben Sie Vertrauen gefasst, sich sogar verliebt, kommt er zum Wesentlichen: Ihrem Geld.

Wohlsituiert und zufrieden. Der blonden Schönheit geht es daher nur um Liebe. Auch die beiden Herren sind offenbar erfolgsverwöhnt. Bis sie eines Tages ein Missgeschick trifft – und Sie inständig bitten, mit größtmöglichen Geldbeträgen auszuhelfen.

Die Herren: Daran erkennen Sie den weiblichen Scammer

  • die Dame ist sehr jung (20+), sie stört aber kein noch so großer Altersunterschied
  • je attraktiver das Mitglied, desto mehr wurde es in der Vergangenheit enttäuscht
  • angegebenes Alter und Aussehen unterscheiden sich mitunter gewaltig (sehr junges Mädchen will z.B. 40+  sein)
  • Fotos zeigen viel Haut, dennoch geht es ausdrücklich nie um Erotik. Nur die wahre Liebe.
  • das Mitglied präsentiert sich sehr quirlig und jung auf Fotos. Als Charakter will es aber häuslich, bescheiden und zurückgezogen sein.
  • sie arbeitet regelmäßig im sozialen Bereich (Nurse, Teacher), ist self employed, im Sale tätig oder der Hotelbranche.

Beliebte Berufe: Krankenschwester, Lehrerin, Stylist, Designer, selbstständig arbeitend
Seltener geworden: Model
Beliebte Namen: Esther, Nancy, Cathy/Kathy, Sarah, Betty

Nur ein paar der überirdisch schönen – und meist auch freizügigen – Lehrerinnen, Sekretärinnen, Friseurinnen oder Krankenschwestern. Sie sind hochgläubig, rührend einsam und wünschen sich nichts dringender als einen ehrlichen, treuen Partner.

Die Damen: Daran erkennen Sie den männlichen Scammer

  • er ist oft 50+, verwitwet und/oder alleinerziehend; häufig mit sehnlichem Kinderwunsch
  • stammt regelmäßig aus den USA oder aus UK (erklärt so Sprachdefizite)
  • Profilbilder zeigen den Single an Traumreisezielen, gern auch mit einem liebenswerten Tier (oft Hund oder Vogel)
  • er ist regelmäßig Soldat der US-Army (meist in Afghanistan stationiert)
  • spricht auffallend schnell von Liebe, gemeinsamer Zukunft und Ehe
  • sein Beruf ist immer prestigeträchtig: Engineer, Pilot, Military, Medical Doctor

Beliebte Berufe: Ingenieur, Architekt, Bauunternehmer, selbstständig arbeitend, „Regierungsarbeit“
Seltener geworden: Juwelen- oder Ölhändler
Beliebte Namen: James, John, David, Paul, Mark, Bill

Sogar John Key, Premierminister a.D. von Neuseeland, durfte schon den Singlefrauen entgegen lächeln (links). Jedes Foto eines sympathischen und/oder äußerst attraktiven Mannes kommt Scammern gerade recht.

Die Gemeinsamkeiten

Bestimmte Dinge sind „unisex“, denn sie wenden Scammer immer an – egal, ob sie sich als Singlemann oder -Frau ausgeben. Eine Übersicht:
Im Profil

  • Pseudonym enthält oft etwas mit Liebe, Ehrlichkeit, Glaube, Demut, Bescheidenheit, etc. (oft Englisch)
  • Profiltext in (mitunter schlechtem) Englisch, unverständlichem Deutsch oder beides gemischt*
  • für Kontakt außerhalb der Singlebörse werden nähere Informationen und Fotos versprochen
  • starke Betonung von Gläubigkeit, Häuslichkeit (besonders die „Frauen“) und Familiensinn
  • Hervorheben der eigenen Ehrlichkeit und Echtheit (ohne aber bei uns auch Echtheitsgeprüft zu sein)
  • Fotos zeigen meist ein hochattraktives Mitglied**
  • Fotos sind oft recht „amerikanisch“(entsprechende Gebäude, Autos, ect. im Hintergrund erkennbar)
  • Angaben im Profil passen nicht zueinander (z.B.: Profilbilder eines Herren, im Profiltext stellt sich jedoch eine Frau vor)

Achtung, auch die Scammer lernen dazu und
* kopieren Profiltexte aus dem Internet
**verwenden gerade für männliche Profile verstärkt eher unauffällige Personen

Eindeutig, dieser Profiltext entstammt  dem google-Übersetzer. Aber Vorsicht, gern kopieren Scammer aus Profilen echter Mitglieder. Hier verrät jedoch oft schon fehlende Plausibilität, dass etwas nicht stimmt …

Voll des Lobes
Besonders aber wird Ihnen aber auffallen, wie vollmundig sich der Single selbst lobt. Da wird von der eigenen Attraktivität geschwärmt, der bedingungslosen Ehrlichkeit, Treue, Offenheit, der sympathischen Erscheinung und/oder dem vorbildlichen Familiensinn. Das Mitglied preist seine Zuverlässigkeit, sein starkes Harmoniebedürfnis, sein unkompliziertes Wesen, seinen Fleiß und – nur allzu passend – seine Bescheidenheit.
Lesen Sie also blumigste Eigen-Laudatio, immer wieder durchbrochen von Formulierungsfehlern, können Sie sicher sein, einen Fake vor sich zu haben.

Na denn Prost! Beim Eigenlob wird es mitunter kurios. Das tapfer die Flasche ansetzende Partygirl pries sich selbst als bescheiden, häuslich und maßvoll.
Fröhliche Witwe(n): ganz tapfer ist auch die Dame rechts. Daher sieht ihr auch nicht an, dass sie so jung schon ihren Mann verloren hat.
Der Heiligenschein braucht keine Kommentierung mehr …

 

In Nachrichten

  • für einen ehrlich suchenden Single ist dieser aber bemerkenswert wahllos: Alter, Aussehen, Entfernung voneinander … einfach nichts spielt eine Rolle
  • sehr schnell sollen Sie  z.B. zu WhatsApp, Skype, häufiger Hangouts oder Email wechseln
  • Kontaktdaten werden oft schon mit der ersten Nachricht versandt oder im Profil angegeben
  • Komplimente ergeben keinen Sinn (z.B. Lob für Ihre Fotos, obwohl Sie noch keine eingestellt haben)
  • Nachrichten ergeben keinen Sinn (z.B. schreibt Ihnen eine Frau von einem eindeutig männlichen Profil)
  • auf Ihre Fragen wird kaum oder gar kein Bezug genommen (der Scammer arbeitet nur mit Textvorlagen)*
  • Nachrichten sind übermäßig blumig, gar überschwänglich. Schnell erhalten Sie Kosenamen.
  • Anrede „Du und Sie“ gerät immer wieder durcheinander

*Achtung, auch hier haben sich Scammer verändert! Textvorlagen, schlechtes  Deutsch oder mäßiges Englisch gibt es noch immer. Aber: die Sprachkenntnisse der Scammer werden ständig besser. Nicht wenige drücken sich inzwischen gut bis sehr gut aus!

Schon mal gelesen? Nachrichten dieses Wortlauts sind absolut typisch für Scammer. Die kommen dabei schon einmal durcheinander. Diese sehnsüchtige Nachricht einer „Frau“ an einen echten Single-Herren kam von einem männlichen Profil.

(Nicht immer) Schöne Geschichten

Scammer verfügen über nicht allzu viel Fantasie, wenn es darum geht, von dem Leben der Person zu erzählen, für die sie sich ausgeben. Daher senden sie sehr ähnliche – und oft auch von aller Peinlichkeit befreiten – Geschichten:

  • vom Soldaten, auf Friedensmission in Afghanistan/ von der Krankenschwester, die dort bei den Truppen tätig ist
  • er/sie hat stets ein deutsch- und ein amerikanischstämmiges Elternteil
  • sie ist Ghanaerin mit deutschem Vater (meist Entwicklungshelfer oder Investor), die nun einsam im Haus ihrer verstorbenen Großmutter lebt
  • der Witwer hat seine Frau an den Krebs verloren (oft mit rührigem Zusatz, dass sie ihm kein „Kind schenken konnte“)
  • der Witwer hat Frau (und manchmal auch Kind) bei einem terroristischen Anschlag verloren

… und manchmal wird es abenteuerlich:

Man(n) kommt eben rum. Dieser Scammer schreibt einen wahren Agententhriller, um zu erklären, warum er nach langer Odyssee ausgerechnet in Ghana gelandet ist. Wohin Sie irgendwann Geld für einen Notfall senden sollen ….

Verlieben nach Maß

Bildlich gesprochen: Scammer schöpfen aus jedem Kessel. Sie bevorzugen gewisse Typen, um auf die Pirsch zu gehen. Dennoch halten sie sich flexibel im Bezug darauf, für wen oder was sie sich ausgeben, um wirklich jeden Geschmack zu treffen:

Extra-starke Frauen,  extra-kuschelige Männer, extra-offenherzige Schönheiten: Scammer geben sich immer größte Mühe, wirklich jeden Herzenswunsch ihrer anvisierten Opfer zu erfüllen.

Auf den Hund gekommen

Wie oben schon erwähnt, wählen Scammer – gerade für ihre männlichen Profile – gern ein Foto, auf dem ein charmanter „Single“ mit einem möglichst niedlichen Tier zu sehen ist. Meist ist das ein Hund. Nicht nur, dass es ganz reizend anzusehen ist. Wie ließen sich besser Treue, Fürsorglichkeit, Herzlichkeit, Anschmiegsamkeit und Loyalität besser verdeutlichen?
(Den Herrn links haben Sie übrigens vielleicht schon einmal gesehen. Er ist nicht auffallend und damit Argwohn weckend attraktiv. Fraglos aber ist er charmant und gediegen. Mit dem putzigen Cavachon auf dem Schoß ist sein Bild eines der beliebtesten bei Scammern.)

Es wufft, knuddelt und wuschelt. Scammer wissen genau, dass nichts einsame Singleherzen schneller öffnet, als ein knuffiger, treuherziger, kleiner Freund im Bild. Das machen sich besonders gern die „Männer“ zunutze.

Wer „normal“ aussieht, kann kein Scammer sein? Achtung!

Sie haben es sicher schon beim Lesen und Betrachten der Fotobeispiele gemerkt: DEN Scammer oder Spammer gibt es eigentlich nicht. Oben aufgeführte Fälle werden Ihnen sicher am allerhäufigsten begegnen. Aber unterschätzen Sie nicht, wie viel die Scammer dazu gelernt haben. So begegnen Ihnen nicht alle Betrüger derart plump, dass sie sofort zu erkennen sind. Weder schriftlich, noch bei der Auswahl ihrer Profilfotos. Ein paar Beispiele dafür sehen Sie hier:

Diese liebenswerten, dabei ganz unscheinbaren drei könnten genauso gut nebenan wohnen – und echt sein. Leider sind sie aber genau das nicht. Scammer sind cleverer geworden und gehen mit solchen Fotos ganz alltäglich wirkender „Singles“ auf Beutezug.

Wie macht man es diesen unangenehmen Zeitgenossen nun schwer?

Das geht im Dating Cafe ganz leicht. Wie leicht, das lesen Sie im 2. Teil: … und so gehen Betrüger bei Ihnen leer aus.

 


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